Madame Eclair und die gratinierten Brandteigteilchen

Gerade stand ich wieder in meinem Küchenlabor und laborierte an meinem Schnittlauch herum. Es musste doch möglich sein nur den Geschmack davon zu extrahieren…. Wie ich so vertieft an meinem Schnittlauch herumschnipselte, klingelte es an meiner Labortüre. Durch das Sichtglas erkannt ich eine gute alte Bekannte. Es war meine französische Backmeisterin Madame Eclair. Sofort drückte ich auf den Schleusenknopf damit Madame in mein heiliges Labor hereinkam. Nach französischer Manier gab es erst ein Küsschen rechts und links auf die Wange. „Madame Eclair, was verschafft mir die Ehre Sie in meinem Labor begrüßen zu dürfen!“. Die Freude und das Erstaunen war auf beiden Seiten groß.

Madame erzählte mir das sie die Idee hatte Brandteigkrapfen zu gratinieren aber es ihr leider an der Umsetzung fehlte und sie sich dadurch an mich und mein Labor erinnerte. Madame sah sich gespannt um und wunderte sich warum bei mir 2 ha Schnittlauch herum stehen.

Brandteig gratinieren. Eine Interessante Aufgabenstellung. Mit Madame Eclair verblieb ich so, dass ich mich in circa einer Woche mit ihr treffen werde. Bis dahin sollte mein Schnittlauchexperiment abgeschlossen sein.

Während ich meinen grünen Freund malträtierte überlegte ich mir so nebenbei wie das machbar wäre. Es kamen mir solche Gedankensprünge wie Käse, Crumble etc.. Allerdings war davon nichts brauchbar.

Als ich meinem restlichen Quadratmeter Schnittlauch verpuffte, machte ich mich an die Aufgabe. Dafür schloss mich in mein Labor ein, schob Beethovens 5. Symphonie – die Schicksalssymphonie- in den CD Player und wartete darauf was das Schicksal mit mir vor hatte.

Ich backte erst einmal Tonnen Versuchsmaterial. Sprich Brandteigteilchen. Brandteig finde ich schon mal vom chemischen Prozess super. Irgend ein Genie, dass nie dafür einen Nobelpreis erhielt, fand raus das beim Abbrennen des Teiges sich das Mehleiweiß und die Stärke verkleistert. Dadurch kommen beim Backen die tollen Hohlräume zustande.

Also versuchte ich verschiedene Lösungsansätze. Mit Zuckergemisch und Bunsenbrenner, mit einer Zuckermasse und dem Grill etc., etc.. Bei den Versuchen gratinierte zwar immer etwas aber das Endergebnis war nicht erfolgversprechend.

Irgendwann nach der 3000sten Schicksalssymphonie und Fehlschlägen kam mir der Gedanke eine Gratiniermasse zu machen und diese auf die frisch aufgespritzen Brandteigteilchen zu geben. Gemeinsam soll das bei 180 Grad gebacken werden.

Somit mischte ich 50 g weiche Butter, 70 g Mehl, 60 g brauner Zucker und 1 Päckchen Vanillezucker zusammen. Es entwickelte sich zwar eine kompakte Masse, allerdings konnte ich diese so nicht auf die Teilchen bringen. Mit anderen Worten: Bei dem Versuch gab es eine riesen Sauerei. Also nahm ich die Masse und zwischen zwei Backpapierbögen und rollte die flach aus. Die Masse klebte nun an den Papier. Zur weiteren Verarbeitung gab ich die ausgerollte Masse mit den Backpapierbögen in den Tiefkühler. Nach ca 2 Stunden – in der Zwischenzeit säuberte ich mein Labor mit dem Hochdruckreiniger – nahm ich meine Masse wieder raus und siehe da, ich konnte die in diesem Zustand super schneiden und vom Papier abnehmen.

Meine Brandteigteilchen wurden damit belegt und im Ofen gebacken.

Die Oberfläche bekam eine gebrochene gratinierte Oberfläche. Hmmm, scheint als wäre auch dieser Versuch fehlgeschlagen. Das Blech nahm ich aus dem Ofen zum entsorgen. Wie ich auf den Weg zu meiner Abfallvernichtungs- und Stromgewinnungsanlage war, klingelte es an meiner Labortür. Mit dem Blech in der Hand ging ich zur Tür um zu sehen wer mich störte.

Es war Madame Eclair und mir wurde schummrig vor den Augen. Es war der Termin „eine Woche später“ und ich hatte noch nichts brauchbares zum vorzeigen. Ich öffnete die Schleuse und Frau Eclair kam mir mit Küsschen rechts und links entgegen. Sie sah das Blech und fing zu kreischen an. Ich meinte nur „so schlecht sehen die auch nicht aus !“. Madame viel mir um den Hals um mich weitere Male zu küssen. „No, no, au contraire! Das ist genau das was ich wollte“. Puh, Glück gehabt. Somit ergab ich mich meinem Schicksal und machte auch die mittlerweile nervige Melodie aus.

Mit meiner Backmeisterin habe ich noch einen Kaffee und die Brandteigteilchen genossen. Es waren auch nur noch 2 Räume voll davon übrig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *