Alain und die Käsepflanzerl

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Ach, es ist einfach toll im Jura auf der Berghütte bei meinem Freund Alain. Mein Labor ist vorerst geschlossen und ich bin fernab von meinem Chaos. Alain wohnt den Sommer über hier und hütet seine Montbéliard Kühe.
Wir beide kennen uns von einem Käsegipfel. Am Comte Käsebuffet sind wir uns zufällig begegnet und fachsimpelten über Rohmilch, Reifung und den Geschmack von Käse. Unser Gespräch war so intensiv das wir fast die eigentliche Veranstaltung verpassten. Am Schluss tauschten wir die Adressen aus. Ab und an sehen wir uns wieder wenn es ein kulinarisches gibt oder wenn ich bei ihm Erholung auf der Berghütte suche. Alain erzählte mir das er Schauspieler werden wollte. Aber seinen wir mal ehrlich. Welche Chancen hätte er schon mit den Nachnamen Delon.

Wir beiden sitzen vor der Hütte und fachsimpeln über die Ku(h)linaric. Welche Gerichte probiert werden sollten, welche kulinarischen Probleme gelöst werden müssen … und da begann schon das erste Problem. Unsere Mägen blubberten so laut vor Hunger das sich das Kuhglockengebimmle wie ein leises Flüstern anhörte.

Also mache ich mich voller Tatendrang auf in die Küche um etwas zu experimentieren. Auch wenn ich weit ab von meinem Labor bin, der drang etwas Küchenchaos zu verbreiten ist unersättlich.

Ich habe da so eine Vision…
Als wird der Holzofen angeheizt was dank der Stickluft im Kamin in einem ziemlichen Fiasko und gehuste endet.
Bis sich der Rauch aus der Küche verzieht, gehe ich mit den Spaten in den Gemüsegarten um mehlige Kartoffel zu jagen. Nach gefundenen 500 Gramm und dem gebuddele als hätte eines der Schweinchen nach Trüffeln gesucht kommt der Kräutergarten dran um einen Bund Petersilie zu rupfen. So, jetzt ab in den Hühnerstall und der Henne zwei Eier stibitzen.
Wieder zurück in die hoffentlich nicht mehr verrauchte Küche. Einen Topf mit gesalzenen Wasser, für die Kartoffeln, auf den Herd stellen und warten bis es kocht. In der Zwischenzeit werden die Kartoffeln gewaschen und geschält. Sobald die Kartoffeln im kochenden Wasser schwimmen kommt die Speisekammer dran. Dort ist einen Laib mit gut gereiften Comte Käse. Eine kleine Kostprobe vorab und mein Gaumen sagt: „Mehr davon!“. Gesagt getan wird ein gutes Stück runter geschnitten. Auch der Wacholderschinken lacht aus dem Regal „Nimm mich!“ Auch dem wird eine Scheibe runtergeschnitten. Beim raus gehen kommt eine Zwiebel mit.

Die Zutaten liegen vor mir.
Der Käse flüstert leise „rasple mich, rasple mich“. Der Schinken ist nicht ganz so gesprächig. Somit wird der in feine Würfeln geschnitten, die Petersilie fein gehackt und die Zwiebel in feine Würfeln geschnippselt.
Die Zwiebel- und Schinkenwürfel werden in einer Pfanne angeschwitzt und mit den restlichen Zutaten in einer Schüssel verrührt. Schon wieder meldet sich der Käse. Ich höre ein leises „Oh ja, ist das toll !“

Die Kartoffeln sind jetzt fertig. Das Wasser wird abgegossen. Diese werden sofort durch die Kartoffelpresse gedrückt. Die Kartoffelmasse mit Mehl, Stärke und dem Ei vermischen. Das Salz, die geriebene Muskatnuss und die restlichen Zutaten kommen zu der Kartoffelmasse. Der Teig wird solange geknetet bis dieser geschmeidig ist. Schon wieder meldet sich meinen geraspelter Freund mit einem leisen: „Das wird der Hammer!“

Mir ist eingefallen das ich zur Beilage noch einen Salat und Schnittlauch brauche. Also durchforste ich den Gemüsegarten. Bis mein Teig abgekühlt ist, wird Salat geputzt, Schnittlauch geschnipptelt und das Dressing vorbereitet.
Das Dressing ist sehr einfach. Salz, Pfeffer, Zucker und Essig verrühren. Damit wird der Salat mariniert und vor dem Anrichten kommt erst das Öl und der Schnittlauch dazu..

Der Kartoffelteig ist soweit überkühlt und wird zu einer ca 5 cm dicken Wurst gerollt davon werden verschieden dicke Scheiben abgeschnitten. Als Idee für die passende Pflanzerl Größe für den großen Hunger und den Snack Zwischendurch. Die Scheiben werden zu Knödel gerollt und flach gedrückt. Die rohen Teile werden bis zur weiteren Verarbeitung auf ein mit Paniermehl bestreuten Schneidebrett gelegt.

Zum Braten brauche ich eine Pfanne. In die Pfanne wird ca 1 cm Öl gegossen und erhitzt. Die Pflanzerl werden jetzt rund um goldbraun gebraten. Der Käse meint nur dazu „Oh, schön warm !“
Sobald die Pflanzerl goldbraun sind, kommen diese zum abtropfen auf ein Küchentuch. Anschließend werden sie im Ofen warm gehalten bis das letzte Pflanzerl seine Bräunung bekommen hat.

Ich bin sowas von gespannt was Alain zu den Gaumenschmaus sagen wird. Es ist auch schon Zeit zum Anrichten. Der Salat wird mariniert und die Kräuter dazu gegeben. Am Schluß kommt das Olivenöl darüber. Alles gut durchmischen und in einer Schüssel anrichten. Die Kartoffelpflanzerl kommen stilecht auf ein Holzbrett und raus damit zu Alain.

Mein Freund hat in der Zwischenzeit den Tisch gedeckt. Mit großen Augen sieht er mich an wie ich mit den Pflanzerl und den Salat aus der Küche komme.

Beide sitzen wir vor der Hütte mit einem Glas guten französischen Rotwein und genießen nicht nur die herrliche Bergidylle, sondern auch unsere wunderbaren Kartoffel-Käse-Pflanzerl. Und das Beste.. der Rest wird am Abend noch kalt als Snack verputzt..*grins*.

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